Wunsch ist Wunsch – Zauberbücher ohne Buch – andere Formen von Spruchsammlungen

Die Aktion Wunsch ist Wunsch, RPG-Blogger-Aktion, der deutsche Secret Santicore, ausgerichtet von der Greifenklaue, hat mich vor die Aufgabe gestellt den Wunsch des Blogs “Goblinbau” zu erfüllen. Somit fogt nun:

Zauberbücher ohne Buch – andere Formen von Spruchsammlungen

Eine Abhandlung von Dr. Claus Sigmarsson

Vorwort

Anders als meine renommierte Kollegen in ihren Studierzimmern, war es immer meine Ansicht, der menschliche Geist lernt am Besten durch Erfahrungen und Fehler; nicht durch das auswendig lernen von Formeln längst verstorbener Meister. So verbrachte ich auch die meisten meiner Tage außerhalb unserer erleuchteten Universität mit ihren unschätzbar wertvollen Bibliotheken und wurde durch die teils widrigsten Umstände auf meinen Expeditionen dazu gezwungen mein Reisegepäck minimalistisch zu gestalten.
Wie jeder andere Mann vom Fach, muss ich jedoch einige existenziell wichtigen Dinge mit mir führen, um meine Kunst ausführen zu können. Der größte Teil dieses Gepäcks waren meine Almanache und Zauberbücher. Mit einem Schmunzeln erinnre ich mich an meine frühen Tage meines Entdecker Lebens und den Eselskarren, welchen ich zum Transport dieser Ungetüme aus Leder und Papier benutzt hatte. Jeder Fährmann oder Schiffscapitain schaute nicht nur skeptisch auf die Masse an Büchern, nein sie schröpften Wucherpreise für den Transport dieser aus meiner mageren Börse.
Schon auf meiner ersten Expedition richtete sich mein Blick anderen Alternativen der Wissensspeicherung auf kompakteren Medien, welche widerstandsfähig sein mussten, um mir eine Hilfe auf meinen zukünftigen Pfaden zu sein.
Eben diese Erfahrungen und Techniken will ich nun hier zu Papier, ach wie ironisch, bringen. Vielleicht hilft es einem Scholar bei der Vorbereitung seiner nächsten Reisen oder weckt den Entdeckergeist in einem Aspiranten.

Kapitel 1: Der zwergische Weg oder die Bärte der Geoden

Häufig war ich ein Gast der Zwerge und nach einigen Bier und Schnäpsen weichte auch die Geheimhaltung und Verschlossenheit der Geoden, wie sich Zwerge gebildet in den Wegen der Kunst nennen, soweit auf, das man in Fachgesprächen über die Verewigung von Wissen in der zwergischen Kultur schwelgen konnte. Die fast jedem bekannte Art der Zwerge Wissen zu konservieren ist die Steinmetz Arbeit, aufwendig und langwierig, nicht für meine Reisen geeignet.
Doch weniger hartes Wissen, experimenteller Natur oder gar rein persönlich, ein jeder Zwerg darf jede beschlagene Steinplatte betrachten und studieren muss man dabei wissen, halten diese weisen Geoden in ihren Bärten fest. Unsichtbar für jeden Betrachter, da die Deckschicht des Bartes glatt und gepflegt erscheint, verbergen sich in den hinteren Haarsträhnen Knoten über Knoten.
Einen Zwerg ,welchem ihr in der Wirtschaft begegnet, der griesgrämig sein Haupt in die Hände stützt und diese dabei in seinem Bart vergräbt, mögt ihr vielleicht grade beim Lesen oder Schreiben geheimster Notizen beobachten.
Manche Geoden zeigten mir ihr Knotengeflecht und zugegeben ein zwergischer Bart erlaubt eine höhere Informationsdichte und hat auch noch mehr Schreibplatz, aber auch für einen menschlichen Bartträger vom Fach ist diese Prozedur der Wissensspeicherung nicht verschlossen und ich persönlich benutze sie für einige wenige temporäre Formeln und Listen.
Dieses System der Geoden wird in Verbindung mit folgenden Arten anderer Völker noch nutzbringender.

Kapitel 2: Die Schamanen der Djinne oder Perlen, Ketten und Schmuck

Nun schildere ich Euch werter Leser, das System welches ich hauptsächlich benutze, kombiniert mit einigen Kniffen der Zwergentechnik um die Datendichte zu erhöhen, verlasse ich mich zum großen Teil auf meine Perlenschnüre und Armbänder.
Ich benutze 5 verschiedene Formen auf meinen Ketten: Hülse, Scheibe, Kugel, Rechteck und Dreieck. Jede Formel wird von mir linear in eine Folge dieser Formen übersetzt und beim Gleiten einer dieser Ketten durch meine Hand, kann ich auch in vollkommener Dunkelheit, wie ihr Herr Leser vielleicht noch feststellen werdet, verlässt einen das Augenlicht recht rasch, die Formel dekodieren und wirken. Eine Formel für nicht zu komplizierte Standardzauber unserer Schulen verbraucht etwa einen Finger Kette und kann als Armreif getragen werden. Beschwörungen oder Rituale benötigen da schon längere Ketten, als Dimension, eine meiner stärksten Beschwörungsformeln trage ich unter meiner Schärpe, zweimal um meinen Körper geschlungen.
Achtet bei Auswahl der Perlen und der Schnur auf die Güte der Materialien. Eingespartes Geld bringt euch nicht mehr viel, wenn bei einer akut nötigen Entschwörung die Schnur reißt und eure Kameraden auf den Perlen, welche den lebensrettenden Spruch gebildet hatten, ausrutschen.
Bei meinen Reisen trage ich in etwa 100 Ketten mit mir herum, sortiert nach Einsatzhäufigkeit trage ich sie als Armreif, Kette, Gürtel oder als Trageriemen meiner Tasche, ja auch dafür können sie stabil genug sein. Noch einen Vorteil bringt diese Speicherform, kein Räuber klaut diese unansehnlichen Ketten, Bücher nimmt jeder Dieb.
Der Nachteil dieses Systems ist das Gewicht und die Größe der Aufzeichnungen. Meine Tagebücher führte ich auch in dieser Art und konnte damit die Länge meiner Reisen gut vergleichen. Meine letzte Expedition war 4 Schritt und ein paar Fuß lang. Es eignet sich auch nicht zur Abbildung von Karten, Diagrammen oder Mustern. Doch dafür ergänze ich eine andere Methodik, welcher ich das nächste Kapitel widme.

Kapitel 3: Die Kunst der Elfen oder die Magie des Lichtes

Mir wurde die Ehre zuteil Audienzen bei verschiedenen Meistern des elfischen Volkes zu erhalten, im weiteren unterteile ich dieses Volk nicht, da ich mich in ihre Politik nicht eingemischt habe. Die Langlebigkeit und Disziplin dieses Volkes hat viele wundersame Dinge hervorgebracht. Die Innovation welche ich mir zu eigen machte, lernte ich bei einem Besuch in einem ihrer hohen Türme kennen, wo uns der Gastgeber seine Familiengeschichte abends berichtete und dieses Erlebnis mit visuellen Effekte verstärkte. Vorher hatte ich schon von Schattenspielen aus dem fernen Osten gehört. Eine starke Lichtquelle strahlt eine Leinwand an, auf deren anderen Seite das Publikum sitzt. Die Schausteller unterbrechen mit Schablonen und Gegenständen den Lichtfluss und werfen Schatten auf die Leinwand, welche eine Geschichte erzählen.
An diesem Abend sahen wir etwas ähnliches doch viel fantastischeres. Auch unser elfischer Gastgeber hatte eine Lichtquelle, einen Kristall, viel stärker und gebündelter in seinem Schein, diesen brachte er in einer Fassung mit einer Linse auf eine Linie. Auf eine nun eingelegten weiteren Linse war Kunst per Gravur verewigt worden, welche nun stark vergrößert an die Wand projiziert uns den Atem raubte.
Später am Abend kamen mir die Gedanken, welche später zu meinem Einsatz dieses Systems führten. Es eignet sich hervorragend für das Abbilden von Ritualmustern, Schutzzeichen, Karten und Diagrammen. Das Zeichnen aller Ritualkreise fällt mir durch die Projektion dieser auf die Fläche wo sie entstehen sollen deutlich leichter, als das Kopieren aus einem Buch.
Die gravierten Linsen transportiere ich in einer gepolsterten Holzkiste, belegt mit den üblichen Schutzzubern und den Projektor, so taufte ich das Gerät mit der Lichtquelle, ließ ich von einem zwergischen Meister sehr kompakt und leicht herstellen. Auch wenn dieser mir abhanden kommt, habe ich den Nachbau einer Funktionsgleichen Apparatur verinnerlicht. Zur aller Not reicht auch ein Drahtgestell aus, welches die Linse vor meinem Augen fixiert und mir ermöglicht die Gravur zu entziffern, während ich z.B. In die Sonne gucke.
Die Herstellung dieser Linsen ist teuer und langwirig, ich lasse jedes Exemplar in drei Ausfertigungen herstellen. Ein kompletter Satz befindet sich immer in meiner Universitätsstube und wäre im Fall meines Ablebens mein Nachlass und meine Memoiren!

Kapitel 4 Exotik und Babarismus

Manche von mir besuchten Kulturen haben nicht den selben zivilisatorischen Stand wie wir oder unsere direkten Nachbarn. Teilweise ist dort das geschriebene Wort noch nicht entdeckt worden. Trotzdem leben in solchen Kulturen mächtige Wesen deren Wissen nicht in Gold aufgewogen werden könnte. Weitergegeben wird dieser Schatz von Generation zu Generation durch Ausbildung von Nachfolgern und verbaler Kommunikation. Ein Festhalten oder Aufzeichnen scheint diesen Wesen eher schädlich als hilfreich.
In manchen Fällen bedienen sie sich doch exotischen Mitteln der Aufzeichnung, welche ihren Lebensumständen angeglichen ist. So benutzen viele Völker mit nomadischen Zügen die Kunst des Tätowierens um Geschichten zu schreiben, entweder die der gezeichneten Person oder des gesamten Stammes. Einige Völker treiben auch diese Kunst zum extremen, so kann ich von Goblin Schamanen berichten, welche ihr Rituale, Gebete an ihre verqueren Götter und Formeln per Narben und Tätowierungen auf Goblinhaut festhalten, doch dafür nicht ihren eigenen Pelz hergeben, sondern einen Flock von Leibwachen dafür benutzen, die sich mit Haut und Haaren dieser Aufgaben verpflichtet haben.
Auch begegnete ich Medizinmännern von Reiterstämmen und ihren Pferden, welche nicht nur als Reittier dienten, sondern auch als Tagebuch. Nach dem Tod des Tieres würde der Medizinmann die Haut seines ehemaligen Pferdes mit auf seine Reisen nehmen und sein Tipi, eine Art Spitzzelt damit schmücken.
In Gebieten wo jeder Rohstoff rar ist und das Leben härter als für uns vorstellbar, ist die Zahl der Wesen unterrichtet in der Kunst gering, doch dafür ist ihre Macht nicht geringer, noch ihr Wissen weniger Wert. Wo sogar die Felle der Tiere zu wertvoll für den Zweck der Wissenserhaltung sind, benutzen diese findigen Menschen Knochen, um ihre Formeln und Rituale einzugravieren.
Die Seefahrer der wilden Meere aus dem Norden unserer Welt sind zum Teil Jahre unterwegs und sehen ihr zu Hause nicht. Ihre Schamanen und Priester sammeln das Wissen dieser Fahrten und müssen es auf sehr robusten und haltbaren Unterlagen festhalten, sie brachten mir die Interpretation und Herstellung ihrer Kerbhölzer bei. Nicht ganz eine Schrift, eher ein Kode, kerben sie mit verschiedenen Schnitten dünne Rundhölzer in unterschiedlicher Länge um die Geschichte und ihre Erfahrungen nach der Heimkehr in ihrem Langhaus, eine Gemeinschaftshalle und Zentrum der Dörfer, in dessen Säulen zu schnitzen.
Andre Völker andere Sitten. Im heißen Süden, wo das Übernatürliche fast gewöhnlich wirkt, werden die Formeln und Rituale, welche unser Handwerk ausmachen, nicht niedergeschrieben, sondern mit einer Melodie verknüpft, die das Merken der Formel vereinfacht und deren Macht verstärkt. Dort sind die Wesen mit Macht nicht so universell, sondern eher konzentriert auf kleine Aspekte unseres Faches, so das ein Dutzend Lieder im Normalfall ihr ganzes Repertoire ausmacht.
Zwar wurde mir von Meistern berichtet, welche für jede Formel ein eigenes Instrument, wie eine Flöte gebaut und somit eine immense Sammlung zusammen getragen haben sollen, doch ist dies von mir nicht aus erster Hand zu berichten.
Einige Formeln der dunkelsten Aspekte unseres Fachs sollten nie niedergeschrieben oder weitergegeben werden. Mir sind dennoch Fälle bekannt von neugierige Blicke auf die falschen Formeln fatale Folgen für den Betrachter hatten und die Formeln sich selbstständig gemacht hatten.
Ein von mir untersuchtes Skelett eines dieser Unglücklichen hatte auf die Innenseite seines Schädels in schwarzen Schriftzeichen die Formel geschrieben, die sein vorzeitiges Ende bedeutet hatte. Bei vorsichtiger genauer Untersuchung fand ich einen Bestandteil dieser Formel der eine Kopie von der Mutterformel und sich selbst, auf nicht sichtbaren Körperstellen des Anwenders erstellt und danach die Originalkopie löscht. Die so kopierte Formel kann der Anwender dann jeder Zeit aufrufen, wenn er den Kopiervorgang überlebt hat.

Nun beende ich diesen Ausflug und hoffe Eure Neugier geweckt zu haben, falls ihr mehr Details über meine Expeditionen erfahren wollt, alle Berichte liegen in Buch und Perlenform in der Bibliothek vor. Auch schrieb ich einige Bücher über Verschlüsselung und Code Techniken beim Festhalten von sensitiven Formeln.

10 Gedanken zu “Wunsch ist Wunsch – Zauberbücher ohne Buch – andere Formen von Spruchsammlungen

  1. Saugeil! Vor allem die Idee mit den Bärten und den Ketten, die beiden Varianten sind awesome und werden direkt geklaut! :D Besten Dank für die coole Wunscherfüllung.

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